Enrico wurde im vergangenen Jahr 40 Jahre alt und lebt seit mehr als sieben Jahren im Dialogos. Er wuchs bei der Mutter auf und verbrachte einige Jahre seiner frühen Jugendzeit im Heim. Nach einer Anlehre zum Heizungsmonteur und Erfahrungen im Eisenwarenverkauf, erkrankte er mit 20 Jahren an Schizophrenie. Seine Mutter ging damals zurück nach Holland und lebt seither in Tilburg, Holland. Er kam mehrmals unfreiwillig, später auch freiwillig in die Klinik. Er wollte seine Wohnung nicht aufgeben, da er zwei Katzen hatte, für die er sorgte. Er erinnert sich ungern an die Situationen, in denen er laut gewesen sei in der Wohnung, Möbel demoliert habe und das Zelt in der Stube aufgestellt hätte. Einmal sei er einem Bauern aufgefallen, als er tanzend und ausflippend zu Fuss von Märwil nach Wil marschiert sei, so, dass der Bauer die Polizei informiert habe. Das sei ja nicht normal, so weit zu laufen, aber er hätte eben Zigis gebraucht. 2005 trat Enrico ins Dialogos ein. Damals war sein Wunsch, dass er nicht mehr in die Klinik muss. Dieser Wunsch hat sich bis heute erfüllt. Enrico arbeitet im Murghof und leistet dort ausgeglichen und zuverlässig seine Arbeit. Das Pensum konnte bis 70% erhöht werden. Nach einigen Jahren in einer Aussen-Wohngemeinschaft hat Enrico wieder eine eigene Wohnung. An den Wochenenden besucht er oft seinen besten Freund, der aus dem gleichen Dorf kommt und den er seit früher Kindheit kennt. Dieser hätte ebenfalls schwere Zeiten mit Klinikerfahrungen erlebt. Gemeinsam hätten sie einen Freund gehabt, der sich mit 13 Jahren das Leben genommen habe, sein Freund sei damals in der Klinik gewesen und es sei ihm verboten worden, an die Beerdigung zu kommen. Vielleicht sei das auch ein Grund für die langjährige Verbindung. Im Gespräch mit Enrico wird deutlich, wie unsichtbar der innere Kampf von Enrico für seine Umwelt ist. Stets liebenswürdig und mit hellen, blauen Augen, ist er ein äusserst beliebter „Gast im Haus“. Seine Ausstrahlung ist so, dass sich andere in seiner Nähe wohl fühlen. Die schweren Zeiten haben tiefe Spuren hinterlassen, so dass Enrico sagt: „Wenn ich mache, was man mir sagt, dann weiss ich nicht mehr, ob ich eine eigene Meinung habe.“ Enrico überlegt gut und fühlt sich zwischen Vor- und Nachteilen einer Angelegenheit hin- und hergerissen. „Alles hat zwei Seiten. Vielleicht könnte ich wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten, aber es wäre schwer für mich, das Risiko, die Rente zu verlieren und die Unsicherheiten, dass ich nicht mehr zurück könnte wären belastend. Meine Tagesstruktur und die Arbeit gibt mir Halt und Sicherheit, auch wenn ich mich überwinden muss. Am Abend langweile ich mich oft, schaue TV und gehe früh schlafen, damit ich aufstehen mag. Die Angebote von Dialogos nutze ich gerne. Wir kochen gemeinsam, gehen in der Therme baden, haben kreative Möglichkeiten und die Gurtwerkstatt. In den Ferien mit Dialogos, bin ich erstmals auf einem Pferd geritten.“ Am Schluss des Interviews fragt Enrico: „Darf ich noch einige Jahre hier bleiben?“