Ich durfte vor zwei Jahren die Schwester meiner Oma und die beiden Cousins von meinem verstorbenen Vater, den ich nie kennen gelernt habe, finden. Heute darf ich Ihnen erzählen, dass ich meine Halbschwester in Amerika finden durfte. Sie heisst Sandra und ist 8 Jahre älter als ich. Sie kam in Deutschland zur Welt. Danach wurde sie zur Adoption freigegeben. Eine kleine Aktennotiz in einem riesigen Stapel, hatte darauf hingewiesen, dass meine Mutter bereits ein Kind geboren hatte. Diesem Hinweis folgte ich und bat den internationalen Sozialdienst in Zürich um Unterstützung. Nach eineinhalb Jahren habe ich nun erfahren, dass meine Schwester gefunden wurde. Sie hat einem Kontakt mit mir zugestimmt. Wir haben unglaublich viele Frage aneinander. Im ersten Brief schreibt meine Schwester, dass sie mich kennen lernen möchte. Sie schreibt unter anderem: „Die Nachricht des Sozialdienstes in Zürich, welcher mich informierte, dass ich in der Schweiz einen Halbbruder habe, hat mich sehr glücklich gemacht. Es tauchen auch viele Fragen auf, zuerst und am drängendsten die Frage, ob es dir gut geht, du gesund, glücklich und sicher bist? Du musst eine sehr tapfere und mutige Person sein, nach allem, was du durchgemacht hast. Die Leiden, die du durchstehen musstest, hätten nie sein dürfen und sollten niemandem widerfahren, ganz sicher nicht einem Kind. Wenn ich hätte da sein können, um dich zu beschützen, hätte ich das mit all meiner Kraft getan. Ich wünschte, ich hätte mehr Antworten für dich, was unsere Mutter angeht. Meine eigene Geburt und die Adoption waren stets von Verschwiegenheit umhüllt. Man gab mir kleine Details, und meine Adoptiveltern haben mir nichts erzählt, so wie das für viele Adoptiveltern typisch ist. Über die Jahre hinweg wurden mir die Informationen Stückchenweise offenbart, ich bin aber nicht sicher, ob irgendetwas der Wahrheit entsprach. Ich habe keine Fotos von mir selbst als Kleinkind oder Baby und ich habe auch kein Bild von unserer leiblichen Mutter. Ich bin sehr froh, dass du den Anfang gemacht hast, Worte können nicht ausdrücken, was zur Zeit in mir alles vor sich geht, aber ich möchte, dass du weisst, dass ich sehr glücklich bin, mit dir zu kommunizieren. Vielleicht können wir uns eines Tages auch von Angesicht zu Angesicht begegnen, die Schweiz scheint ein sehr schöner Ort zu sein, den ich gerne irgendwann einmal besuchen möchte. Ich hoffe, dass es dir gut geht und weiss, dass dies das erste von vielen Malen sein wird, dass wir den Schritt machen und miteinander kommunizieren.“Ich bin glücklich, dass ich nebst meiner Grosstante nun auch Sandra kennen lernen konnte und bin dankbar, dass sich das lange Warten und Suchen gelohnt hat.“