Es wurde ihr erzählt, dass ihre leiblichen Eltern für ihr Leben gewünscht hätten, dass sie es einst besser haben solle. Thushari zweifelt, ob der Wunsch ihrer Eltern auf diesem Weg erfüllt werden konnte: „Vielleicht hätte ich in Sri Lanka kein Suchtproblem oder Psychopharmaka. “Ihre Mutter starb, als sie 18 Jahre alt war und bis dahin war bereits einiges an Geschirr zerbrochen. 14 jährig hatte Thushari erste schlimme Angstzustände und Wahnvorstellungen, die sich zwei Jahre später erneut zeigten. „So war ich mitten im Strudel meiner Probleme, kämpfte mit einer frühen Erkrankung und griff zu Suchtmitteln. Als ich mit 16 Jahren die Lehre zur Krankenschwester begann und die Angstzustände mich einholten, musste ich nach wenigen Wochen abbrechen. Mit 17 Jahren begleiteten mich meine Eltern auf die Suchtfachstelle, da ich bereits Cannabis und Alkohol konsumierte. Da dies alle taten, sah ich nicht ein, was dieser Termin sollte. Auch ein zweiter Lehrbeginn im Detailhandel scheiterte. Dass meine Mutter während dieser konfliktreichen Pubertätszeit an Krebs schwer erkrankte und mein Onkel mir diesbezüglich Schuldzuweisungen machte, verbesserte meine Lage keineswegs. Ich liess mir einreden, dass ich schuld sei. Als meine Mutter immer mehr leiden musste, bat ich Gott, sie zu erlösen. Eine Stunde nach meinem Gebet erhielt ich den Anruf, sie sei gestorben. Ich trank sechs Monate keinen Tropfen Alkohol mehr und lebte bei einem Freund. Da ich nicht allein sein konnte und von ihm abhängig war, konnte er alles mit mir machen. So entdeckte ich den Alkohol wieder. Diesmal als Freund. Ich jobbte mich 8 Jahre durch und lebte von der Sozialhilfe. Heute habe ich keine Schulden mehr und konnte die Schulden durch den Erhalt der IV-Rente begleichen. Es waren jedoch lange Jahre des Kampfes und der Einsamkeit mit Beziehungen, die sich meist im gleichen Muster abspielten. Oft dachte ich an das Motto: „Was dich nicht umbringt, macht dich stark“. In diesen acht Jahren begann ich, mich zu schneiden. Zuerst aus Spass, um in meinen Cliquen anzugeben und Blutsbruderschaft zu schliessen, im Sinne von: “Wer am tiefsten schneidet ist der King“ und später zur Entspannung und unfreiwillig. Auch Kokain, Pilze und andere Substanzen kamen dazu. Wenn ich länger clean war, wurde ich psychotisch, ich kann mir das bis heute nicht erklären. Ich erkannte mich in solchen Zuständen selbst nicht mehr, hatte heftige Wahnvorstellungen und wusste nicht mehr, wer ich war. Ich wollte sogar aus dem fahrenden Auto springen. So trat ich 2006 erstmals in eine Klinik ein, worauf weitere lange Aufenthalte folgten. Nur die stärksten Medikamente halfen. Leider haben sie auch starke Nebenwirkungen, unter anderem Gewichtszunahme. In kleinsten Schritten geht es seit damals bergauf. Nach mehreren Aufenthalten wurde mir eine betreute Wohnform empfohlen, da ich eine Gefahr für mich selbst und für andere sei. Nach dem Vorstellungsgespräch im Jahr 2009 im Dialogos war ich begeistert und wollte unbedingt einen Platz bekommen. Ich konnte 2011 in eine Stadtwohnung ziehen und mit einer Mitbewohnerin leben. Als die Mitbewohnerin aufgrund persönlicher Themen äusserte, sie wolle nicht mehr mit mir zusammenleben, war ich so enttäuscht und wütend, dass ich den Aufenthalt abgebrochen habe. Es gab keinen Weg zurück. Ich floh in die Klinik und mietete wieder meine eigene Wohnung. Dort wurde ich rückfällig. Ein Jahr später feierte ich mein Comeback und trat wieder im Dialogos ein. Mein grosses Zimmer ist mein wunderbarer Lebensraum, mein zu Hause. Ich brauche Gemeinschaft, auch wenn ich Mühe habe, mit den anderen klar zu kommen. Im tiefsten Innersten hat sich aber doch vieles verändert. Ich spüre Sicherheit und Geborgenheit seit ich wieder hier sein kann. Diese Gemeinschaft zu haben ist Lebensqualität für mich.Ein Highlight war, dass eine fremde Person am Jahresfest ein Bild von mir kaufte. Vielleicht bin ich hier, weil ich nicht allein sein kann und weil ich im Moment noch nicht weiss, wie ich glückliche Beziehungen leben kann und ich alleine glücklich sein könnte. Mein Cousin hat in Sri Lanka ein Haus gekauft. Vielleicht kann ich bald mein Herkunftsland besuchen und meine Eltern suchen.“